4 Dinge, die der Mittelstand von Start-ups lernen kann

Die Wirtschaft boomt. Die Digitalisierung bietet so viele Möglichkeiten für neue Geschäftsideen, innovativ und lukrativ können sie sein. In kurzer Zeit aber mit viel Engagement und Hirnschmalz lassen sich neuartige, digitale Produkte auf den Markt bringen. Und auch die Erfolgsgeschichten rund um große Invests in Start-ups und erfolgreiche Exits reißen nicht ab. Die bekannte Fernsehsendung "Die Höhle der Löwen" bringt uns diese Themen ins Wohnzimmer und, auch wenn sie die Realität nicht abbilden, bekommen viele einen Einblick in neue Unternehmensformen.

Viele möchten auch so innovativ und vor allem mutig sein, wie die "coolen" Start-ups aus Berlin. Und so liebäugeln auch mittelständische Unternehmen mit Start-ups, als Investitionsoption zur Wertsteigerung oder als Innovationshelfer bei der Digitalisierung. Die jungen Unternehmen haben den Spirit und das notwendige Know-how mit dem Zugang zu neuen Technologien, um in der digitalen Welt die richtigen Geschäftsmodelle zu entwickeln. Doch einen ganz besonderen Charme sieht der Unternehmer in der Innovationsfähigkeit und Geschwindigkeit, welche die kleinen Start-ups vorleben.

Im Vergleich zu den jungen, agilen Unternehmen ist der Mittelstand zu träge, verkrustet und im Tagesgeschäft gefangen. Was können nun diese traditionellen und etablierten Unternehmen von den faszinierenden Start-ups lernen?

Neugier und Optimismus

Wir sind ein Land, das Risiken sieht und die Chancen nicht wahrnehmen will. Man startet bei einer Entwicklung mit Analysen, Marktbeobachtungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen, bis auch der letzten keimenden Idee die Luft zum Atmen genommen wurde. Start-ups ticken anders. Sie haben Visionen und sehen die Chancen. Sie suchen sich ein Problem und entwickeln in kleinen aber sehr schnellen Schritten Lösungen. Das Produkt wächst mit der Kundenerfahrung.
Durch die Globalisierung hat sich der Wettbewerbsmarkt grundlegend verändert und die Digitalisierung lässt ganz neue Geschäftsmodelle entstehen. Ab jetzt gilt: "Nicht der Größte gewinnt, sondern der Schnellste."
Den etablierten Unternehmen legen wir nahe, anstatt Angst vor Veränderungen zu haben, sollte ihnen das Neue immer willkommen sein. Ganz nach dem alten Handwerker Motto „Nichts ist unmöglich“ soll immer in Lösungen gedacht werden.

Trial and Error

Die "alten" Unternehmen haben ein Produkt bis zur Perfektion entwickelt, bevor sie es in den Markt brachten. Das war im langsam wachsenden Markt in den vergangenen Jahrzehnten auch richtig. Aber die Welt hat sich grundlegend verändert. Wir haben die digitale Revolution. Fehler manifestieren sich nicht in defekten Maschinen, sondern in falschen Bits und Bytes. Die Korrekturen lassen sich schnell umsetzen und an alle Kunden, sprich Anwender, ausliefern.
Ein Baustein der Start-up-DNA ist es viel zu probieren und aus Fehlern zu lernen.
Der Mittelstand ist es gewohnt, dass zu Beginn eines Entwicklungsprojektes immer Analysen durchgeführt werden, um viele Informationen zu sammeln, bevor mit der Entwicklung begonnen wird. Auf Basis der gesammelten Daten, die meistens Annahmen sind, wird angesetzt. Dieses Fundament ist leider oft falsch.
Start-ups arbeiten mit Ungewissheiten und Unsicherheiten. Anstatt lange zu diskutieren und zu planen wird sofort losgelegt und einfach experimentiert. Moderne Ansätze und Methoden wie agile Entwicklung, Design Thinking oder Lean Startup kommen zum Einsatz. Dabei werden schnell greifbare, aber noch nicht perfekte Prototypen entwickelt, um die Möglichkeiten zu prüfen und sehr schnell mit Trial and Error zu lernen. Diese Lernerkenntnisse und damit auch Fakten werden in Schleifen schrittweise durchgeführt und damit das neue Produkt entwickelt.
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Autor: Jens Menke

Autor: Jens Menke

Jens Menke ist CMO von CORNEXION. "In Zukunft kann der Mittelstand nur bestehen, wenn er schneller wird. Start-ups sind die Sprinter in der Unternehmenswelt. Von ihnen kann man viel lernen. Mit ihnen kommt man schneller voran."

Fehlerkultur "Wer viel macht darf auch Fehler machen"

Das oben beschriebene Trial and Error Vorgehen erfordert auch eine neue Fehlerkultur. Das heißt nicht, dass Fehler gewünscht sind und sie gefeiert werden. Das ist ein falscher Mythos.
Die neue Fehlerkultur bedeutet, scheitern zuzulassen. "Wo gehobelt wird, fallen Späne", sagt ein altes Sprichwort. Und wo man experimentiert und neues ausprobiert, werden auch Fehler passieren. Nur sollten diese Fehler als Lernchance wahrgenommen werden, damit etwas weiterentwickelt werden kann. Hierbei sprechen wir von positiven Fehlern. Etablierte Unternehmen fürchten sich vor einem Scheitern. Die Inhaber und Führungskräfte haben Angst um das Image des Unternehmens. Diese Befürchtungen aber bremsen oder verhindern sogar Innovationen. Für eine neue Innovationskultur soll Neues ausprobiert auch belohnt und nicht bestraft werden.

Agile Teams statt hierarchische Strukturen

Warum sind Start-ups so schnell? Ganz einfach, weil sie klein und agil sind und sie sich schneller abstimmen können. Rasche Entscheidungen werden getroffen und Neues sofort umgesetzt. Das kann der bewährte Mittelstand nicht oder doch?
Agile und selbstorganisierte Teams können auch in etablierten Unternehmen aufgebaut werden, die genauso effektiv und schnell handeln können wie Start-ups.
Diese neu erstellten Teams bekommen eine klare Aufgabe, die durch eine Problemlösung definiert wird. Entscheidungsgewalt bleibt aber in der Gruppe. Sie sind keinen Hierarchien unterworfen, die eingreifen und deren Ergebnisse beeinflussen. Es wird ein Start-up innerhalb des Unternehmens betrachtet und vor allem so behandelt. Das Team ist fachlich gut aufgestellt, um Entscheidungen fundiert zu treffen. Fehlt an einer Stelle Kompetenz und Fachwissen, können sie ihren internen Aufgabengeber in dieses Segment implementieren. Diese agilen Teams beschleunigen Unternehmen in ihren Entwicklungsprozessen, sind produktiver und effektiver, auch weil die Mitarbeiter durch die Eigenverantwortung viel motivierter und engagierter sind.

Fazit: Start-up Kultur als Entwicklungshilfe für Unternehmen

Start-ups sind faszinierend. Sie entwickeln Visionen, setzen sie sofort um und sehen unmittelbar eine Wirkung hinter jeder Handlung. Das macht neidisch, denn große Unternehmen leiden unter ihrer Behäbigkeit und Komplexität. Für den Mittelstand sollte es ein Ansporn sein von den Start-ups zu lernen und keine Schockstarre auslösen, weil sie nicht so innovativ und schnell sind. Die etablierten Unternehmen können mit verschiedenen kleinen Maßnahmen ihre Firmenkultur an die digitale Neuzeit anpassen und aufholen. Nicht indem sie die Krawatten ablegen und nach Silicon Valley reisen, sondern weil sie den Willen etwas zu ändern an den Tag legen. Nicht komplett durchgeplant bis ins letzte Detail, sondern mit ganz kleinen und schnellen Schritten. Hier fängt der Modernisierungsprozess schon an. Wichtig sind dann langfristige und nachhaltige Entwicklungen zur Förderung der neuen Firmenkultur und der Innovationsbeschleunigung. Führungskräfte müssen bereit sein für Agilität, Offenheit und Innovationen und sich teilweise zurücknehmen und den Mitarbeitern mehr zutrauen. So kommen Innovation und auch mehr Spaß an die Arbeit.

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